Dienstag, 20. Juni 2017

Familienalltag mit Baby und Kleinkind - (Wie) können wir den Bedürfnissen aller Familienmitglieder gerecht werden?!



Allen Familienmitgliedern gerecht werdenEin süßes Urlaubsfoto, oder? Was man hier allerdings nicht sieht, ist, dass das Kleinkind gerade quengelt, weil sie gerne auf meinen Arm möchte, was mir jedoch mit dem Baby im Tragetuch zu schwer ist... Wenig später möchte sie gerne mit mir toben. Aber auch das findet ich mit dem Baby am Körper nur bedingt angenehm, und der Kleine soll ja auch noch nicht wieder aufwachen...
So unterschiedliche Bedürfnisse, die es uns oft schwer machen, unseren Familienalltag zu entspannen und die gemeinsame Zeit zugenießen. Solche Konflikte zwischen den Bedürfnissen der einzelen Familienmitglieder und den Wunsch, allen gerecht zu werden, kennt auch Sarah von Mamaskind. An ihrer Blogparade zum Thema allen Kindern gerecht werden möchte ich mich mit diesem Beitrag gerne beteiligen.


Unterschiedliche Bedürfnisse in unserem Familienalltag

Allen Familienmitgliedern gerecht zu werden, bedeutet für mich, ihre jeweiligen Bedürfnisse zu erkennen, ernst zu nehmen und darauf zu reagieren. Bei den Erwachsenen ist dies natürlich einfacher, als bei den Kindern: Wir können unsere Bedürfnisse idealerweise besser selbst wahrnehmen, kommunizieren, miteinander aushandeln und ggf. aufschieben, was beim Baby noch kaum und auch beim Kleinkind nur begrenzt möglich ist.

In unserem Familienalltag (den ich übrigens in meinen Posts #WMDEDGTunter der Woche und am Feiertag  dokumentiert habe) mit Tochter (fast 3 Jahre) und Babysohn (4 Monate) führen vor allem die Bedürfnisse nach Nähe, Aufmerksamkeit und Ruhepausen der einzelnen Familienmitglieder öfter mal zu Konflikten. Ganz besonders ist das der Fall, wenn wir abgelenkt sind (z.B. wenn wir unterwegs sind, Besuch da ist oder wir im #Elternhomeoffice arbeiten), oder wenn mehrere Bedürfnisse zusammenkommen. Zum Beisiel sind wir alle deutlich gereizter und weniger kompromissbereit, wenn wir hungrig oder müde sind. Das kann dann schnell zum Teufelskreis werden, wenn es z.B. während der Essensbeschaffung /-zubereitung vergleichsweise schwieriger ist, den Kindern Nähe und Aufmerksamkeit zu geben oder eine Ruhepause zu einzulegen…

Nähe

Der Babysohn möchte am liebsten immer in der Nähe der anderen Familienmitglieder sein, am allerliebsten natürlich an der Brust, auf dem Arm oder im Tragetuch. Die Große ist da schon deutlich weniger kuschelig – es sei denn, sie ist müde oder in einer einschüchternden Situation.

Allen Familienmitgliedern gerecht werden
Zu Hause und mit beiden Elternteilen ist es natürlich kein großes Problem, den Kindern ihr Bedürfnis nach Nähe zu erfüllen. Und auch wenn einer allein beide auf dem Schoß hat, sind sie meist ganz zufrieden. Schwieriger wird das Ganze schon, wenn einer von uns draußen mit beiden Kindern ist. Denn Baby im Tragetuch und die Große mit ihren mittlerweile fast 13 kg auf dem Arm zu tragen kollidiert dann schon mit dem elterlichen Bedürfnis nach einem intakten Rücken… Da heißt es dann Erklären, Aushandeln und ggf. Aushalten – entweder die Rücken- bzw. Nackenschmerzen oder das Geschrei…

Manchmal hilft es meiner Erfahrung nach, quasi vorsorglich tätig zu werden und Müdigkeit und damit verbundene Anhänglichkeit zu vermeiden. Wenn ich z.B. merke, dass die Tochter draußen schon recht weit gelaufen ist, ihr rechtzeitig meine Hand, eine Pause oder das Buggyfahren anzubieten. Eine andere Möglichkeit kann es sein, das Bedürfnis nach Nähe schon zu erfüllen, bevor es mehr oder weniger nachdrücklich geäußert wird und dadurch den „Tank“ an Nähe aufzufüllen: War der Babysohn schon länger im Tragetuch, freut er sich auch, mal rauszukommen. Das ist dann der Moment, um mit der Tochter zu kuscheln. 

Allen Familienmitgliedern gerecht werdenDas klappt bei uns in der Praxis mal besser, mal schlechter, denn gerade wenn um uns herum auch noch anderes los ist (z.B. unterwegs oder wenn Besuch da ist), finde ich es schwierig, das immer so rechtzeitig zu erkennen und zu berücksichtigen. Außerdem kommen dann ja oft noch andere Bedürfnisse dazu. Gerade bei der Großen ist das Bedürfnis nach Nähe häufig auch gekoppelt an den Wunsch nach Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit

Manchmal reicht es den Kindern nicht, einfach nahe bei uns zu sein, z.B. im Tragetuch im Falle des Babysohnes oder auf dem Schoß im Falle der Tochter. Sie möchten dann nicht, dass wir uns mit dem Geschwisterchen, Abwasch oder Computer beschäftigen oder mit anderen Erwachsenen sprechen bzw. telefonieren, sondern fordern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Und das kennen wir natürlich von uns Erwachsenen: Ich möchte schließlich auch nicht gerne abends meinem Mann von meinem Tag erzählen, während er auf dem Handy herumtippt, und umgekehrt.

Manchmal können sich die Kinder schon gegenseitig ihr Aufmerksamkeitsbedürfnis erfüllen: Der Babysohn himmelt dann seine Schwester an, während sie mit ihm spielt, ihn streichelt oder ihm etwas vorsingt. In anderen Fällen ist es für beide okay, wenn ein Erwachsener mit ihnen beiden spielt, singt oder vorliest.

Tja, und dann gibt es natürlich noch die gefühlt vielen, vielen Situationen, in denen ein Kind die volle Aufmerksamkeit von uns Eltern braucht – natürlich auch immer wieder gerne, wenn wir gerade mit dem anderen Kind oder etwas ganz anderem beschäftigt sind. Das äußert sich dann bei beiden Kindern oft durch Jammern oder Weinen, bei der Tochter zudem durch Provokation oder auch indem sie Hilfe bei Tätigkeiten einfordert, die sie eigentlich schon selber kann (und bei anderen Gelegenheiten auch gerne mal darauf besteht, sie alleine zu machen…).

Allen Familienmitgliedern gerecht werdenWie auch bei dem Bedürfnis nach Nähe gelingt es uns auch hier manchmal vorzusorgen, indem wir rechtzeitig den „Aufmerksamkeitstank“ auffüllen. Aber auch im besten Fall die Phasen, in denen sich die Kinder selbst beschäftigen können, sind natürlich beim Baby noch sehr kurz und selbst bei der Großen eigentlich nicht länger als 15 Minuten – ansonsten muss man sich auf jeden Fall schon Sorgen machen, dass sie etwas anstellt 😉.

Ruhepausen

Vor allem der Babysohn macht tagsüber noch viele Ruhepausen und Schläfchen zwischendurch. Aber auch bei der Tochter beobachten wir immer wieder, dass sie nach einer intensiveren Spiel- oder Aktivitätsphase kurze Auszeiten braucht. Verbal kommunizieren kann sie das noch nicht, aber manchmal schafft sie es schon, diese Auszeiten einzufordern oder sich selber zu nehmen, z.B. indem sie sich mit einem Buch aufs Sofa setzt oder unterwegs freiwillig in den Buggy möchte.

Zu Interessenkonflikten kommt es hier des Öfteren, weil der Babysohn am besten im Tragetuch abschalten kann, wobei die Trageperson leicht wippen oder am besten stehen muss. Dabei kann die Tochter leider schlecht auf unserem Schoß sitzen. Außerdem ist es natürlich problematisch, wenn der Babysohn schlafen möchte und die Tochter sehr laut und ausgelassen spielt oder unbedingt mit ihm spielen möchte…

Tja, und als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, gibt es bei uns in Punkto Ruhepausen auch noch Konflikte mit den elterlichen Bedürfnissen. Denn ich muss ehrlich sagen, während ich meine Bedürfnisse nach Nähe, Aufmerksamkeit, ja und selbst Essen und Schlafen, einigermaßen gut zurückstellen kann, fällt mir das bei den Ruhepausen deutlich schwerer. Die Bedürfnisse meiner Kinder am besten schon im Vorfeld zu erkennen und unter einen Hut zu bringen, finde ich schon ganz schön anstrengend. Nach einem längeren Fußmarsch mit Tragetuch, Buggy und Einkaufen bin ich ganz schön fertig, ganz zu schweigen von der Begleitung eines töchterlichen Wutanfalls… Die regelmäßige Kuschel- und Vorlesepausen sind also auch für mich 😉  

Unterschiedliche Bedürfnisse als Chance

Ihr seht also, es ist für uns nicht immer einfach, die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder unter einen Hut zu bekommen. Das ist oft anstrengend, kann aber durchaus auch eine Bereicherung für uns alle sein. 

Familienalltag Baby und KleinkindWenn in einer Familie die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder zusammen kommen, bietet das die Chance, das Bedürfnis der Kinder nach Selbstwirksamkeit zu erfüllen. Sie bekommen mehr Verantwortung übertragen und wir trauen ihnen mehr zu. Das ist im Moment sehr schön bei unserer Großen zu beobachten, die jetzt eben nicht mehr die Kleinste in der Familie ist, sondern die Rolle der großen Schwester innehat. Und auch der Kleine wird sicherlich notgedrungen schon früher mehr Verantwortung übertragen bekommen, als das seinerzeit bei seiner Schwester der Fall war.

Für Kinder ist es zudem ein wichtiger Lernprozess, Sensibilität für die Bedürfnisse anderer zu entwickeln und kreative, für alle annehmbare Lösungen zu finden. Und wir alle können noch üben, unsere eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, zu kommunizieren, ggf. aufzuschieben und mit den Bedürfnissen der anderen zu verhandeln. Das fällt gerade mir an vielen Stellen noch sehr schwer, weil ich oft meine, es allen Recht machen und meine eigenen Bedürfnisse zurückstecken zu müssen…


Wie ist das bei euch? In welchen Situationen ist es für euch besonders schwer, allen gerecht zu werden? Wie geht ihr mit solchen Situationen um?
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1 Kommentar:

  1. Liebe Anne,
    trotz drei Kindern bin ich noch immer Anfängerin - das denke ich immer wieder. Wird man irgendwann Profi? Beim Lesen deines Blogposts habe ich das wieder gemerkt: Super, dass du die Tanks nach Aufmerlsamkeit füllst, bevor sie ganz leer sind.
    Ich finde das in der Praxis sehr schwierig. Drei Kinder und meine eigenen Bedürfnisse - hui!
    Liebe Grüße und danke für's Mitmachen! Es hilft sehr!
    Sarah

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