Dienstag, 9. Mai 2017

Elternzeit 2.0 - Doppeltes Elternglück?!



TeddybärenIch werde oft gefragt, wie es mir denn jetzt so geht mit zwei Kindern. Tja, was soll ich sagen, eigentlich hat sich gar nicht so viel geändert, seit unser kleiner Babysohn da ist. Und dennoch ist unser Leben durch ihn noch einmal schöner, liebevoller und glücklicher geworden.
Klar, es müssen auch mehr Wäsche gewaschen und mehr Windeln gewechselt werden, und der Berg an Sachen, die selbst für den kleinsten Ausflug mitgeschleppt werden, ist auch nicht gerade kleiner geworden. Aber während die Geburt unserer Tochter vor gut 2 1/2 Jahren unser ganzes Leben durcheinander gewürfelt hat, sind unsere grundlegenden Routinen und Abläufe auch nach der Geburt des Babysohnes unverändert - es ist eben nur noch ein weiteres Familienmitglied dabei.
Während also das Drumherum weitestgehend gleich geblieben ist, möchte ich heute einmal näher darauf eingehen, was sich bei  und in mir als Mama von zwei Kindern verändert hat.


Mehr Gelassenheit

Mein Mann wird sicherlich laut auflachen, wenn er das hier liest. Denn natürlich mache ich mir immer noch Sorgen um wunde Popos oder Stürze vom Wickeltisch und konsultiere bereits bei kleinen Krankheitsanzeichen mehr oder weniger hektisch Dr. Google - und der arme Papa muss sich das Ganze dann immer brühwarm anhören... Aber im Vergleich zur Babyzeit mit meiner Tochter ist das auf jeden Fall weniger geworden, einfach, weil ich schon mehrere Krankheiten und Wehwehchen erlebt habe und eigentlich weiß, dass (und idealerweise auch wie) das wieder weggeht.

Auch was Wachstumsschübe, Zahnen und andere Schlaf- und Stimmungskiller der lieben Kleinen angeht, bin ich  insgesamt gelassener geworden - es ist schließlich alles nur eine Phase und wird irgendwann besser - oder zumindest anders ;-). 

Diese Erkenntnis hilf mir - zumindest meistens - auch ganz gut bei Zweifeln und Vergleichen bezüglich der kindlichen Entwicklung.  Anstatt ungeduldig auf das erste Lächeln, Aufstützen, Drehen, Robben etc. zu hoffen, kann ich beim zweiten Kind ganz gut diejeweilige Entwicklungsstufe genießen - und bin dann immer ganz überrascht, wenn der Kleine schon wieder etwas Neues kann.

Zweite ElternzeitEhrlicherweise muss ich aber zugeben, dass meine neue Gelassenheit nicht nur auf die größere Erfahrung zurückzuführen ist. Mein kleiner Babysohn ist so viel viel fröhlicher und entspannter, als seine Schwester damals im gleichen Alter, dass es mir deutlich leichter fällt, selbst gelassen an die Sache heranzugehen. Schlafmangel und Babygeschrei sind einfach so viel besser auszuhalten, wenn man weiß, dass das Baby sich leicht wieder beruhigen lässt und die nächste Schlafphase auf jeden Fall besser wird...


Mehr (Selbst-)Sicherheit

Bevor meine Tochter zur Welt kam, hatte ich eine ungefähre Vorstellung davon, wie  der Umgang mit ihr aussehen sollte: Liebevoll, mit festen Strukturen und Ritualen. Dann kam sie zur Welt, und alles sah ganz anders aus. Statt nach ihrer abendlichen Stillmahlzeit bei einem Schlaflied friedlich in ihrem Babybay einzuschlummern, war sie nur an der Brust oder eingepuckt in Mamas oder Papas Armen mit viel Glück, Schaukeln und weißem Rauschen in den Schlaf zu befördern . Auch ein Ritual gewissermaßen, und halbwegs liebevoll waren wir Eltern dabei natürlich auch, aber eben ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hörte und las Tipps und Ratschläge von allen Seiten, probierte alles Mögliche aus und war total verunsichert. 

Erst nach und nach bildete sich so unser eigener Erziehungsstil heraus. Das heißt natürlich nicht, dass der in Stein gemeißelt ist - ich lese nach wie vor viel, tausche mich mit anderen aus und durch neue Erfahrungen und Herausforderungen wird immer mal wieder etwas angepasst. Aber ich bin nicht mehr so schnell zu verunsichern wie zu Beginn meiner ersten Elternzeit, denn ich weiß, dass unser Weg gut ist und zu uns passt. 

Auch Vergleiche mit anderen Kindern und Eltern und schlaue Ratschläge bringen mich nicht mehr ganz so schnell aus dem Konzept - wobei mein Mann vermutlich auch hier wieder schmunzeln wird, habe ich ihn gerade gestern doch noch gefragt, ob wir nicht töpfchenmäßig nochmal was machen sollten, weil mittlerweile alle gleichaltrigen Freunde unserer Tochter mehr oder weniger "trocken" sind. Trotz solcher gelegentlichen Aussetzer weiß ich eigentlich mittlerweile, dass 1. sich Entwicklungsschritte nicht erzwingen lassen, 2. alle Kinder ihr eigenes Tempo haben, 3. ich meine Tochter nicht unter Druck setzen möchte, und 4. Berichte von anderen über ihre Kinder bestenfalls Momentaufnahmen und mehr oder weniger geschönt sind.


Mehr Zerrissenheit

Schon mit einem Kind war es für mich nicht so einfach, die Bedürfnisse aller Familienmitglieder unter einen Hut zu bekommen. Jetzt mit zwei Kindern habe ich das Gefühl, ständig hin-  und hergerissen zu sein. Zumindest in der Theorie weiß ich natürlich, dass das völlig normal ist nach der Geburt eines Geschwisterchens. Außerdem ist es für alle Beteiligten ein wichtiger Lernprozess, eigene Bedürfnisse zu kommunizieren, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und Kompromisse zu schließen. In der Praxis ist das natürlich nicht immer so einfach...

Es fällt mir schwer, dass ich nicht mehr so für meine Tochter da sein kann, wie vor der Geburt ihres Bruders- zumal sie auf ihre "Entthronung" nicht mit Wut, Aggressivität oder Zurückgezogenheit sondern mit häufigem, herzzerreißendem Weinen (meist ohne erkennbaren äußerlichen Grund) reagiert. Besonders traurig macht es mich, dass ich nicht mehr so gut mit ihr kuscheln oder sie auf den Arm nehmen kann, weil ihr kleiner Bruder ständig stillend oder im Tragetuch an mir klebt.

Auch dem kleinen Bruder gegenüber habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Natürlich wird er immer sofort gestillt und gewickelt, wenn es nötig ist, und er ist ja im Tragetuch immer dabei, wenn ich mich mit seiner Schwester beschäftige. Aber ich kann mich eben nicht so intensiv mit ihm beschäftigen, wie damals mit meiner Tochter im gleichen Alter. 

Tja, und Interessenkonflikte bei uns Eltern, die es natürlich auch schon mit einem Kind gab, haben sich mit zwei Kindern auch nicht gerade verringert:  Zum Beispiel möchte ich meinem Mann nach einem anstrengenden Arbeitstag natürlich gerne einen entspannten Feierabend ermöglichen. Allerdings möchte ich ihn natürlich auch an den Erlebnissen und Sorgen mit den Kindern teilhaben lassen, und die Tochter verlangt eigentlich auch seine volle Aufmerksamkeit - ihr seht das Problem ;-)

Und dann ist da noch eine andere, neue Art der Zerrissenheit: Meine Tochter ist im Moment sehr fixiert auf ihren Papa. Natürlich freut es mich, dass die beiden im Moment so viel Zeit miteinander verbringen und sie das offensichtlich sehr genießt. Aber es versetzt mir doch oft auch einen Stich, wenn sie ständig nach ihrem Papa fragt, wenn ich mit den Kindern alleine bin und sie nur noch mit ihm spielen und kuscheln möchte, sobald er dann da ist.


Mehr Elternglück

Zweite Elternzeit
Ich kann es nicht wirklich erklären, aber für mich fühlt es sich einfach schön und vollständig an, dass wir jetzt zu viert sind. Es macht mich stolz, mit dem Baby im Kinderwagen und der Großen an der Hand oder mit der Großen im Buggy und dem Baby im Tragetuch herumzulaufen (zumindest wenn keiner von beiden gerade schreit ;-)). Und auch der Anblick der Rückbank im Auto mit den beiden Kindersitzen darauf fühlt sich irgendwie "richtig" an.

Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist, aber mit dem zweiten Kind ist noch einmal unendlich viel Liebe in unser Familienleben eingezogen. Liebe für dieses kleine Menschlein, das vom ersten Augenblick an zu uns gehörte und uns jeden Tag mit seinem freundlichen Wesen und seinem schiefen Lächeln bezaubert. Und Liebe für unsere Tochter, die schon so groß ist und so schnell laufen, so hoch hüpfen, so viel reden und so laut singen kann und dennoch manchmal wie ein Baby getragen werden möchte. Und wenn ich die beiden zusammen sehe, wie meine Tochter ihren kleinen Bruder streichelt, küsst und ihr Spielzeug und Essen mit ihm teilen möchte, und der Kleine seine Schwester mit strahlenden Augen anlacht, da sind alle Sorgen und Konflikte vergessen, und ich kann unser Glück kaum fassen.

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